

Ob Auffahrunfall oder Hagelschaden — bei einer Kfz-Schadenmeldung muss schnell entschieden werden: Werkstatt, Sachverständiger oder fiktive Abrechnung? In der Praxis liegt diese Entscheidung bei den Sachbearbeitern im Callcenter der Versicherung. Und die stehen vor einer kaum lösbaren Aufgabe.
Kfz-Schäden sind komplex. Die Bandbreite reicht vom Parkrempler bis zum Totalschaden. Welche Bauteile betroffen sind, wie hoch die Reparaturkosten ausfallen und welcher Prozessschritt der richtige ist — das hängt von hunderten Variablen ab. Am Telefon lässt sich das nicht vollständig erfassen. Die Folge: unpräzise Einschätzungen, inkonsistente Prozesse und Durchlaufzeiten von bis zu sechs Wochen.
Unser Kunde, ein führender Dienstleister im Kfz-Schadenmanagement, verarbeitet jährlich hunderttausende Schadenfälle für Versicherungen wie R+V, ERGO und Nürnberger. 15 Jahre an Gutachtendaten, über 800 Datenpunkte pro Schadenfall und das Fachwissen erfahrener Kfz-Sachverständiger — die Grundlage für präzise Prognosen war vorhanden. Was fehlte: ein System, das dieses Wissen im entscheidenden Moment verfügbar macht.
Der Auftrag an PLAN D: Ein KI-gestütztes Prognosesystem entwickeln, das Reparaturkosten in Echtzeit vorhersagt, den optimalen nächsten Schritt empfiehlt und die Schadenregulierung messbar beschleunigt.
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PLAN D analysierte 15 Jahre historischer Schadendaten — über 800 Datenpunkte pro Gutachten, darunter Fahrzeugtyp, Baujahr, Schadenmuster, Bauteilkombinationen und detaillierte Kalkulationsdaten aus Audatex und DAT. Aus diesen Rohdaten extrahierte PLAN D die relevanten Features und trainierte Machine-Learning-Modelle, die Reparaturkosten, Wiederbeschaffungswert und Restwert in Sekundenbruchteilen prognostizieren. Kein aufwändiges Gutachten, kein Warten — eine fundierte Einschätzung direkt bei der Schadenmeldung.
Doch eine Prognose allein reicht nicht. Das System empfiehlt für jeden Schadenfall den optimalen nächsten Schritt: fiktive Abrechnung, Werkstattreparatur, Videobesichtigung oder Vor-Ort-Gutachten. Alle Schadenmanagement-Steuerungsregeln der jeweiligen Versicherung werden digital erfasst und automatisch regelkonform ausgeführt — je nach Saison oder Geschäftslage lassen sich die Parameter flexibel anpassen. Diese Empfehlung steht dem Sachbearbeiter live im Telefonat zur Verfügung. Folgeprozesse wie die Werkstatteinweisung oder Gutachtenbeauftragung werden automatisch angestoßen. Allein durch die direkte Terminierung von Sachverständigen und Werkstätten während der Schadenmeldung fallen pro Jahr 7.500 Telefonate weg.
Reparaturkosten variieren je nach Werkstatt erheblich — die Stundenverrechnungssätze unterscheiden sich um bis zu 2.000 Euro pro Schadenfall. PLAN D integrierte eine Partnerdatenbank mit über 36.000 Werkstätten in Deutschland, inklusive aktueller Stundenverrechnungssätze. Über eine kartenbasierte Suche wählt der Sachbearbeiter die Werkstatt aus — die Prognose passt sich in Echtzeit an. Das Ergebnis: rund 600 Euro genauere Prognose pro Schadenfall.
Bei der telefonischen Schadenmeldung wird oft nicht genau genug nachgefragt. Beschädigte Bauteile werden nicht vollständig erfasst — die Prognose fällt zu niedrig aus, der falsche Prozessschritt wird eingeleitet. PLAN D entwickelte ein ML-Modell, das auf Basis der bereits erfassten Bauteile vorhersagt, welche weiteren Bauteile mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls betroffen sind. Wenn Stoßfänger und Scheinwerfer links beschädigt sind, schlägt das System vor: „Auch Kotflügel links und Motorhaube prüfen.“ Das Ergebnis: deutlich vollständigere Schadenbilder und präzisere Prognosen.
Was als Einzellösung begann, wurde zur mandantenfähigen SaaS-Plattform. PLAN D entwickelte eine Multi-Tenant-Cloud-Architektur, in der jede Versicherung ihre eigenen Regelwerke, Farben und Prozesse konfigurieren kann. Neue Mandanten werden in Tagen statt Monaten angebunden — ohne aufwändige IT-Projekte. Ein standardisierter Entscheidungsbaum lässt sich versicherungsspezifisch individualisieren, das Admin-Backend steuert Mandanten, Nutzer und Regelwerke zentral.
Die bisher beschriebenen Module setzen voraus, dass ein Sachbearbeiter strukturierte Daten eingibt. Doch Schäden werden auch per E-Mail gemeldet, als Scan eines handschriftlichen Formulars oder als Transkript eines Telefonats. Für diese Fälle entwickelte PLAN D ein LLM-basiertes agentisches System: Ein KI-Agent erkundet die Parameter, extrahiert aus beliebigem Freitext die relevanten Schadenmerkmale und übergibt sie als strukturierten Input an das ML-Modell. Kein Fine-Tuning — sondern Tool Use und Structured Output. Damit kann das Prognosesystem aus jeder Quelle befüllt werden, nicht nur aus dem strukturierten Callcenter-Dialog.



Die Wirkung des Projekts lässt sich nicht auf eine einzelne Kennzahl reduzieren — sie zeigt sich in der Summe: Laufzeiten, die von sechs Wochen auf wenige Tage sinken. 7.500 Telefonate pro Jahr, die entfallen. Prognosen, die pro Schadenfall hunderte Euro genauer sind. Und eine Schadenregulierung, die konsistenter, schneller und nachvollziehbarer abläuft.
Für den Kunden bedeutet das mehr als operative Effizienz. Das Projekt markiert die Transformation vom traditionellen Schadendienstleister zum digitalen Softwareanbieter. Ein System, das als internes Werkzeug begann, ist heute eine SaaS-Plattform, die mehrere große Versicherungen im Tagesgeschäft einsetzen. Über ein Lizenzmodell generiert das System mittlerweile mehrere Millionen Euro Umsatz pro Jahr — ein neues Geschäftsfeld, das ohne KI nicht existieren würde.
Für die angeschlossenen Versicherungen verbessert das System die Combined Ratio: durch konsistentere Regulierungsprozesse, erhöhte Dunkelverarbeitung und automatisierte Steuerungsempfehlungen. Jeder Euro weniger Prognoseabweichung multipliziert sich über tausende Schadenfälle.
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Claim Management — im Deutschen auch Schadenmanagement — bezeichnet die systematische Steuerung und Bearbeitung von Versicherungsschäden. Der Prozess umfasst die gesamte Kette von der Erstmeldung (FNOL — First Notice of Loss) über die Schadenerfassung und Kalkulation bis zur Regulierung und Auszahlung.
Im Kfz-Bereich bedeutet das konkret: Ein Versicherungsnehmer meldet einen Schaden, ein Sachbearbeiter erfasst die Informationen, und auf Basis dieser Daten wird entschieden, ob eine fiktive Abrechnung erfolgt, eine Werkstatt beauftragt oder ein Sachverständiger hinzugezogen wird. Wie präzise und schnell diese Entscheidung fällt, bestimmt sowohl die Kundenzufriedenheit als auch die Schadenkosten der Versicherung.
Das System nimmt während der telefonischen Schadenmeldung strukturierte Informationen zum Fahrzeug und zum Schadenhergang entgegen. Auf Basis von über 800 Datenpunkten pro Schadenfall — darunter Fahrzeugdaten, Schadenmuster, Bauteilkombinationen und Kalkulationsdaten — hat PLAN D Features extrahiert und ein Machine-Learning-Modell trainiert, das innerhalb von Sekunden die erwarteten Reparaturkosten prognostiziert, aufgeschlüsselt nach Arbeits-, Lack- und Materialkosten.
Zusätzlich berechnet das System den Wiederbeschaffungswert und gibt eine Steuerungsempfehlung für den nächsten Prozessschritt. Der Sachbearbeiter erhält diese Informationen live im Telefonat und kann direkt die richtigen Folgeprozesse auslösen.
Dunkelverarbeitung bezeichnet die vollautomatische Bearbeitung von Versicherungsvorgängen ohne manuellen Eingriff. Ein Schadenfall wird gemeldet, automatisch bewertet und reguliert — der gesamte Prozess läuft „im Dunkeln“, also ohne dass ein Sachbearbeiter eingreifen muss.
Im Kfz-Schadenmanagement ermöglicht die KI-gestützte Prognose eine deutlich höhere Dunkelverarbeitungsquote: Wenn das System mit hoher Sicherheit die Reparaturkosten und den optimalen Prozessschritt vorhersagt, kann der Vorgang automatisch abgewickelt werden. Das senkt Durchlaufzeiten und Bearbeitungskosten.
Die Combined Ratio (Schaden-Kosten-Quote) ist die zentrale Kennzahl für die Profitabilität eines Versicherungsunternehmens. Sie setzt die gesamten Aufwendungen für Schäden und Verwaltung ins Verhältnis zu den Prämieneinnahmen. Eine Combined Ratio unter 100 Prozent bedeutet, dass die Versicherung profitabel arbeitet.
KI-gestützte Schadensteuerung verbessert die Combined Ratio auf mehreren Ebenen: präzisere Prognosen reduzieren unnötige Gutachterkosten, automatische Steuerung senkt die Bearbeitungskosten, und konsistentere Regulierung vermeidet überhöhte Auszahlungen.
Bei der telefonischen Schadenmeldung wird ein Schaden anhand der Angaben des Versicherungsnehmers erfasst. Dabei werden häufig nicht alle beschädigten Bauteile genannt — nicht weil die Sachbearbeiter nachlässig sind, sondern weil am Telefon nicht genau genug nachgefragt werden kann.
Das KI-Modell löst dieses Problem: Auf Basis der bereits erfassten Bauteile berechnet es, welche weiteren Bauteile mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls betroffen sind. Sind Stoßfänger und Scheinwerfer links beschädigt, schlägt das System vor, auch Kotflügel und Motorhaube zu prüfen. Der Sachbearbeiter erhält so gezielte Hinweise, die zu einem vollständigeren Schadenbild führen.
PLAN D entwickelt KI-Systeme von Anfang an so, dass sie über den ersten Anwendungsfall hinaus skalieren können. In diesem Projekt entstand über sechs Ausbaustufen aus einer Einzellösung eine mandantenfähige SaaS-Plattform — mit eigener Cloud-Architektur, konfigurierbaren Regelwerken pro Mandant und einem zentralen Admin-Backend.
Entscheidend war die Architektur: Multi-Tenant-Fähigkeit, automatisierte ML-Ops-Pipelines und eine Low-Code-Steuerungslogik, die neue Mandanten in Tagen statt Monaten anbindet. PLAN D begleitet dabei den gesamten Weg — von der ersten Datenanalyse über das Prognosemodell bis zum produktiven SaaS-Betrieb mit Lizenzmodell und eigenem Geschäftsfeld.
Das ML-Modell erreicht eine Prognosegüte von 94 Prozent. Es ist auf eine Vielzahl unterschiedlicher Schadenarten trainiert — von kleinen Parkremplern bis zu Wildschäden. Die Abweichung zum späteren Gutachten liegt im Schnitt zwischen 170 und 200 Euro.
Grundlage sind über 800 Datenpunkte pro Schadenfall und 15 Jahre historische Gutachtendaten. Je mehr Schadenfälle das Modell verarbeitet, desto präziser wird die Prognose — ein kontinuierlicher Lerneffekt, der die Genauigkeit über die Zeit weiter steigert.
Heute bereits zu einem großen Teil, und in den kommenden Jahren für bis zu 90 Prozent aller Schadenfälle. KI kann Reparaturkosten prognostizieren, Schadenbilder und Fahrzeugdaten auswerten, Dokumente automatisch verarbeiten, den optimalen Prozessschritt empfehlen und Folgeprozesse wie Werkstattbuchung oder Gutachtenbeauftragung eigenständig auslösen. Auch die Kommunikation mit Kunden lässt sich automatisieren, schriftlich per E-Mail oder telefonisch über sprachgesteuerte Systeme. Bei Standardschäden mit klarem Schadenbild läuft die Regulierung schon jetzt vollautomatisch, sogenannte Dunkelverarbeitung.
Entscheidend ist die Schadenart: Ein Parkrempler, ein Hagelschaden oder ein typischer Auffahrunfall lassen sich algorithmisch zuverlässig bewerten. Mit wachsender Datenbasis, besseren Modellen und multimodaler Verarbeitung von Text, Bild und Sprache wird der Anteil automatisierbarer Fälle weiter steigen. Die menschliche Entscheidung bleibt dort relevant, wo Haftungsfragen, widersprüchliche Angaben oder völlig neue Schadenmuster auftreten. Für alles andere wird KI zum Standard.
Zukunft beginnt, wenn menschliche Intelligenz künstliche Intelligenz entwickelt. Der erste Schritt ist nur ein Klick.
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